Kinder trauern anders

Im Sommer 2008 weckte ein Artikel mein Interesse. Dort stand sinngemäß „der Verein „Trauernde Kinder Schleswig-Holstein e.V.“ sucht Männer“. In Vorgesprächen wurde mir dann erklärt, dass die ehrenamtliche, soziale Arbeit überwiegend weiblich geprägt ist, viele Kinder aber den „männlichen Part“ für ihre Trauerbewältigung suchen. Ich entschied mich spontan, für diesen Verein ehrenamtlich tätig zu werden. In der Eingangsschulung setzte ich mich mit meinem eigenen Umgang mit Trauer auseinander. Wie fast alle Ehrenamtliche in diesem Bereich hatte auch ich meine persönliche Trauererfahrung. Vor etlichen Jahren waren innerhalb weniger Monate mein Vater, mein Schwager und mein bester Freund verstorben. Ich erfuhr wie der Verein arbeitet und welche Grundeinstellungen dahinter stehen: Trauer ist eine natürliche Reaktion auf Verlust. Sie ist individuell. Es gibt keinen richtigen oder falschen Weg zu trauern. Jeder Mensch hat die Fähigkeit, durch seine Trauer zu gehen. Achtsamkeit und Akzeptanz unterstützen den Trauerprozess. Das Bild „Erwachsene fallen in einen See der Trauer, Kinder springen von Pfütze zu Pfütze“ beschreibt sehr gut die unterschiedlichen Reaktionen. Mit dieser Sprunghaftigkeit werden Kinder oft nicht verstanden, sie fühlen sich allein und hilflos. Sie haben viele Fragen, die sie nur selten aussprechen. Oft haben sie Schuldgefühle. Manche reagieren mit Hyperaktivität, Aggression, Bauchschmerzen, Lustlosigkeit, Ängsten. Eltern und Angehörige sind meist keine Hilfe, sie sind in ihrer eigenen Trauer gefangen. Der Verein „Trauernde Kinder“ gibt diesen Kindern und Jugendlichen einen geschützten Raum und begleitet sie auf ihrem individuellen Trauerweg. In unseren Trauergruppen erkennen sie, dass sie mit ihrem Schicksal nicht allein sind. Sie können ihre Gefühle ausleben und das tun, wozu sie Lust haben. Toben, spielen, malen, reden oder einfach nur dasitzen und traurig sein. Wir bieten Rituale, beantworten Fragen, signalisieren den Kindern, dass ihre Gefühle „normal“ sind und lachen auch viel gemeinsam. Seit seiner Gründung im Jahr 2004 ist der Verein enorm gewachsen. Es gibt vier Kinder- und zwei Jugendgruppen. Im letzten Jahr haben sich 50 Ehrenamtliche um fast 100 Kinder und Jugendliche und deren Angehörige gekümmert. Wir haben betroffene Familien beraten, pädagogisches Fachpersonal geschult und Lehrerkollegien in Akutfällen durch Anwesenheit unterstützt. Um die Arbeit des Vereins, der keinerlei Zuschüsse bekommt und sich ausschließlich aus Spenden finanziert, auf Dauer finanziell abzusichern, wurde zum 10-jährigen Jubiläum eine Stiftung gegründet, die sich hervorragend entwickelt. Noch ist das Kapital mit 26.500 Euro zu klein, um nennenswerte Erträge auszuschütten. Aber es ist ein Anfang und vielleicht gibt es bald weitere Unterstützende. www.trauernde-kinder-kiel.de, 0431- 2602051 Wolfram Hahnfeld

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