Philysound aus Hamburg

Unten klotzig, oben gläsern. Der Betrachter muss seinen Kopf weit in den Nacken legen, um die Dimensionen des gewaltigen Bauwerks zu ermessen. Die Elbphilharmonie ist fertig und harrt ihrer Eröffnung. Musiker sind begeistert von ihrer Akustik. Vom „warmen durchhörbaren Klang“ ist die Rede, wenn Orchester-Manager Achim Dobschall durchs Haus führt, frei nach dem Motto: Was lange währt, wird endlich gut. Wurde die Bauzeit doch um sieben Jahre überzogen und bescherte den Bürgern massive Kosten von mindestens 789 Millionen, so eine aktuelle Schätzung. Für die Akustik zeichnet der Japaner Yasuhisa Toyota verantwortlich, der auch die Suntory Hall in Tokyo und die Walt Disney Hall in Los Angeles mit bauen half. 10.000 gekrümmte Platten aus Gipsfaser an den Wänden reflektieren den Schall zurück in den Konzertsaal. Alle Ränge sind terrassenartig um die Bühne angelegt, sodass keiner der 2100 Gäste weiter als 30 Meter vom Dirigenten entfernt sitzt. Das 100-köpfige Symphonie-Orchester des Norddeutschen Rundfunks hat bereits sein neues Zuhause backstage bezogen und probt für eine Konzertserie im nächsten Jahr. Die große Musikhalle ist Kernstück eines Komplexes, der auf 25 Stockwerken einen Hotelbereich (244 Einheiten), Restaurants, Tonstudios und ein Parkhaus beherbergt. Auf dem relativ schmucklosen Sockel mit Backstein-Fassade der alten Speicher thront die neue „Elphi“. Weithin sichtbar im Hafen beeindruckt eine Konstruktion aus 1000 gebogenen und bedruckten Glaselementen oberhalb des 9. Stockwerks, die Farbe und Licht von Himmel und Wasser kristallartig reflektieren. Ein statisches Meisterwerk stellt das geschwungene Dach dar, um dessen Sicherheit lange gerungen wurde. Hamburg hat sich mit der Elbphilharmonie ein neues Wahrzeichen erschaffen, das Gäste aus aller Welt anziehen wird. So haben der UN-Generalsekretär und das schwedische Königshaus die Musikhalle in A1-Lage schon vor der offiziellen Einweihung bestaunt. Eine Terrasse mit Rundumblick, die sogenannte Plaza – erreichbar über eine Rolltreppe der Superlative – gestattet auch Normalbürgern einen ersten Besuch der neuen Attraktion am Hafen. Die Plaza-Ebene verbindet den traditionellen Speicher, in dem früher Kakao, Tabak und Tee lagerten, mit dem gewagten Glasaufbau gleichsam wie eine Fuge auf 37 Meter Höhe. Die Meinungen sind gespalten. „Sehr kalte Architektur. Das war ja wohl doch sehr teuer geworden. Und alles unsere Steuergelder“, bringt eine 70-jährige Besucherin vor laufender Fernsehkamera ihre Kritik auf den Punkt. Die 110 Meter hohe Philharmonie zwischen Sandtorkai und Grasbrookhafen ist neuer Höhepunkt einer Hafen City, die in den letzten Jahren hinter der alten Speicherstadt nach und nach gewachsen ist. Sonntags bilden sich auch schon vor der offiziellen Einweihung am 11. Januar Warteschlangen vor dem Einlass. Deshalb wird vor einem spontanen Besuch der Aussichtsplattform – täglich bis 24 Uhr geöffnet – eine Anmeldung im Internet (Buchungskosten: 2 Euro) angeraten. Jutta Ehmsen

Bild: Den sieben NDR-Hornisten – darunter Dave Claessen – ist ein kleiner Übungsraum mit Seeblick zugedacht.

Bild: Die große Musikhalle wurde vom japanischen Akustiker Yasuhisa Toyota ausgestaltet.

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