Den Tatort wieder frisch gemacht

Wer wischt Gewebe und Blut von der Wand? Das machen Dietmar Felsen und Dirk Plähn. Die beiden haben den vielleicht ekligsten Beruf der Welt: Sie sind Tatort-Reiniger. Denn nicht nur bei Kommissar Borowski, sondern auch im wahren Leben fallen Schüsse und gibt es Leichen. „Unser Hauptgeschäft ist der normale Tod“, erklärt Dietmar Felsen, der schon seit sechs Jahren dieses schmutzige Handwerk betreibt. Dahinter verbirgt sich zumeist das traurige Ende einer alleinstehenden älteren Person, die erst nach Tagen oder Wochen aufgefunden wird. „Fliegen riechen den Tod schon auf 100 Meter“, glaubt der Desinfektor. Diese nisten sich ein und brüten in der sterblichen Hülle neues Leben. Ein übler Gestank ist die Folge, dem die Profis mit scharfer Chemie zu Leibe rücken – auch in Schleswig-Holstein: So sei in Lübeck die Körperflüssigkeit einer älteren Frau in den Bettkasten gelaufen, erinnert sich Felsen. Ein weiterer Fall führte nach Kronshagen, wo die Spuren eines verwahrlosten Trinkers aus einer Villa beseitigt werden mussten. Doch das ist noch lange nicht alles, was der zweiköpfige Putztrupp aus der Nähe von Mölln in den Leichenwohnungen über sich ergehen lassen muss. Neben natürlichen Todesursachen (60 Prozent) rangiert an zweiter Stelle Suizid, der ein Fünftel der Aufträge ausmacht. Nicht zimperlich durfte das Team sein, als sich ein junger Hamburger mit dem Jagdgewehr erschossen hatte. Gewebestücke und Teile der Schädeldecke waren überall verstreut. Und als der Putzmann auf die Geschichte mit der Pulsader in der Badewanne zu sprechen kommt, verliert er doch noch ganz kurz die Fassung: „Wir konnten doch beide früher kein Blut sehen“, erklärt er schmunzelnd und erzählt weiter: Selbstmörder seien erfinderisch, ein Grill im Zimmer hätte schon zum Wegdämmern gereicht. Und auch das Duo reagiert kreativ. So sei der Fußbereich eines Wagens mit Katzenstreu abgebunden worden, nachdem sich dort ein Schlachter selbst gerichtet hatte. Mord und Müllwohnungen sind weitere Standbeine der beiden Reinigungsfachkräfte, die schon zu einer Fernsehserie inspirierten. Dabei gäbe es keinen typischen Messie, nur eine grobe Unterteilung in zwei Gruppen: Die unermüdlichen Sammler und die, die den Abfall nicht entsorgten. Auftraggeber für den Räumdienst sind Verwandte oder Hauseigentümer, auch die Betroffenen selbst aus Scham oder Angst vor der Kündigung. Not am Mann sei auch, wenn ein Keller vollläuft, nachdem ein Abwasserrohr geplatzt ist, wie dies 2015 in Lüneburg geschah. Stinkt das nicht? Nein, dank der Filtermasken und ihrer weißen Wegwerf-Anzüge bleiben die Helfer vom Geruch verschont, auch als ein Gefängnisinsasse seine Zellenwände mit Kot beschmierte. „Wir haben keinen Kontakt mit der Substanz“, sagt Felsen, der sich selbst eher als Wohnungssanierer versteht. Der Extremjob wird nicht nur gut bezahlt, den beiden schlägt auch jede Menge Dankbarkeit entgegen. Denn sobald Dirk Plähn und Dietmar Felsen den „Tatort“ verlassen, riecht es dort wie in einer Schwimmhalle – sauber und rein. Jutta Ehmsen

Bild: Ups, kleines Blutbad auf der Treppe. Kein Problem für den Tatortreiniger.

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