Weidemilch auf dem Lindhof

Kühe glücklich machen, ohne dabei die Ökologie und das finanzielle Wohl des Bauern aus dem Blick zu verlieren – geht das? Den Versuch ist es wert, dachten sich Agrarwissenschaftler der Kieler Universität. Mit dem Forschungsprojekt „Ökoeffiziente Weidemilcherzeugung Lindhof“ soll jetzt eine alternative Methode der Milcherzeugung, ausgerichtet auf viel Milch aus Weidegras und frühen Weideaustrieb, auf dem Versuchsgut Lindhof an der Eckernförder Bucht neu erprobt werden. Land und Universität haben für dieses Projekt insgesamt 1,3 Millionen Euro für den Bau eines Milchviehstalls und den Aufbau einer Versuchsviehherde bereitgestellt. In drei bis fünf Jahren wird mit den ersten Ergebnissen gerechnet. Minimum zehn Jahre soll das Projekt laufen. Umwelt- und Landwirtschaftsminister Dr. Robert Habeck bedauerte jetzt bei der symbolischen Schlüsselübergabe, dass immer weniger Kühe auf die Weide kämen. Das Futter kommt zum Tier und nicht mehr das Tier zum Futter. In nachhaltiger Weidehaltung haben Wiederkäuer aber das Potenzial, ausreichend Milch zu produzieren, Kohlenstoff als Humus im Boden zu speichern und die hohe Biodiversität von Weiden zu erhalten. Außerdem ist die gesündere Qualität von Weidemilch hervorzuheben: Kalzium, Vitamin A und D und die gesunden Omega 3 - Fettsäuren sind in der Milch der „glücklichen Kühe“ besonders hoch. Der Hofladen „Gemüse & Meer“ auf dem Lindhof bietet Butter, Joghurt und Käse aus der Milch der eigenen Jersey-Kühe an. Das Jersey Rind stammt ursprünglich von der britischen Kanalinsel Jersey und gilt als eine der ältesten Rinderrassen der Welt. Weltweit wird sie wegen ihrer hohen Milchleistung, ihrer Robustheit und ihres sanftmütigen Temperaments sehr geschätzt. Ziel des Projektes ist es laut Projektleiter Professor Friedhelm Taube, Landwirten in schwierigen Zeiten Wege aufzuzeigen, um mit geringen Kosten aus Weidefutter nicht nur hochwertige Milchprodukte zu erzeugen, sondern auch gleichzeitig eine hohe Ökoeffizienz zu realisieren. Dazu werden umfangreiche Messkampagnen zu den Treibhausgasemissionen und Nährstoffausträgen durchgeführt. Teil des Konzeptes ist der Aufbau einer Herde mit 80 Jersey-Kühen und deren Nachzucht. Ziel ist es, in einem Jahr mit 2 Kühen mehr als 10.000 Liter Milch je Hektar Kleegras zu erzeugen Heute sind die Milchkühe auf dem Lindhof zwei Jahre alt, haben in diesem Jahr das erste Mal gekalbt und geben das erste Jahr Milch. Im Schnitt werden Kühe in der ökologischen Milchviehhaltung fünf Jahre gemolken. Dann kommt die Nachzucht zum Zuge. Die männlichen Kälber bleiben zum Teil auf dem Lindhof und werden 18 Monate lang gemästet oder sie werden an andere Landwirte und Hobbyzüchter verkauft. Bei der konventionellen Milchproduktion sind die Kühe nur circa 2 Jahre im Einsatz, da sie danach die geforderte Milchleistung nicht mehr bringen können.

Bild: Einige der neu geborenen Jersey-Kälber im Projekt „Ökoeffiziente Weidemilcherzeugung Lindhof“.

Bild: Kurze Wege: Im Hofladen „Gemüse & Meer“ werden Produkte von den eigenen Kühen angeboten

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