Kein Kiel ohne Kogge

Nicht jeder kennt diesen schwimmenden Botschafter, obwohl er seit vielen Jahren am Schifffahrtsmuseum liegt: die Kieler Hansekogge. Ein Förderverein betreibt den Nachbau eines 1380 gesunkenen Schiffes ehrenamtlich. Im Vordergrund steht das Segeln mit Gästen sowie der Erhalt und die Pflege des einmaligen Holzschiffes. Wie ein gestrandeter Walfisch lag der wuchtige Rumpf noch im Mai auf dem Trockenen in der Friedrichsorter Rathje-Werft – genau dort, wo die Kogge vor drei Jahrzehnten vom Stapel lief. Wie jedes Jahr musste jede Eichenplanke einzeln von Muscheln und Algen befreit und anschließend liebevoll geölt werden. Doch in diesem Jahr konzentrierte sich alles auf den Einbau einer neuen Maschine, nachdem der alte Motor im letzten Jahr auf dem Weg zur Rostocker Hanse Sail verreckt war. Der für Hafenmanöver unerlässliche Motor und die Rettungsmittel an Bord sind auch schon fast die einzigen Zugeständnisse an moderne Technik, um das traditionell per Hand gesegelte Schiff zu betreiben. Ansonsten fordert das spartanische Deck und die Unterbringung in Hängematten seinen Gästen und der acht- bis zehnköpfigen Stammcrew jede Menge Enthusiasmus ab. Wer auf der Kogge mitfährt, darf sich wie im Mittelalter fühlen. Das typische Handelsschiff der Hanse war einst die einzige Alternative zum Ochsenkarren. Bis zu 100 Tonnen Getreide, Salz, Felle oder Stockfisch konnten die dickbauchigen Frachter zwischen Bergen, Riga und Kiel transportieren. 1962 wurde in der Wesermündung erstmals ein Original gehoben, restauriert und ins Museum von Bremerhaven verbracht. Es wurde zum Vorbild der 23,3 Meter langen Kieler Kogge, die heute mit ihrem urigen Aussehen jede Segelparade bereichert: Im Bodenbereich kraveel, sonst klinkergeplankter Rumpf plus wuchtige Querbalken, die aus der Bordwand ragen. Da die Besegelung nur aus einem einzelnen 200 qm großen Rahsegel besteht, ist das Schiff auf halben und achterlichen Wind angewiesen, zumindest wenn es – wie im Mittelalter – auf zusätzliche PS verzichtet. Tagesausflüge, Charterfahrten und Stegveranstaltungen helfen, die laufenden Kosten zu decken. Eine gute Gelegenheit, Seeluft zu schnuppern, bieten zwei Kieler-Woche-Törns am Montag, 20. Juni, für die noch Plätze frei sind. Anmeldung unter Tel. 0431/2190250. Der Förderverein Historische Hansekogge Kiel muß 100.000 Euro für den neuen Motor aufbringen. Spendenkonto bei der Förde Sparkasse: IBAN DE26 2105 0170 1002 4969 23. Jutta Ehmsen

Bild: Jede Hand willkommen: Armin (22) und Jannick (21) hebeln am Spill.

Bild: Blickfang auf der Förde: Die Kieler Kogge.

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