Partnersuche im Wald: Die Liebeseiche von Dodau

Die Partnervermittlung im Internet boomt, auch das ULTIMO bietet sich als Kontaktbörse an. Vorbei sind die Zeiten, in denen man seine Liebste noch sonnabends unter der Dorflinde traf. Oder doch nicht? Die Bräutigams-Eiche von Dodau macht auf besondere Weise von sich reden. Mehr als 100 Ehen sollen schon im Schatten des Laubbaumes gestiftet worden sein. Und das kam so: Laut Sage soll ein an einen Baum gefesselter keltischer Fürstensohn im Dodauer Forst von einem „Christenmädchen“ befreit worden sein, weshalb er aus Dank die Eiche pflanzte. Schon immer umrundeten junge Frauen bei Vollmond den 500-jährigen Baum, um ihren Schatz zu beschwören. 1891 vermählte sich die Förstertochter mit einem Schokoladenfabrikanten unter der Eiche, nachdem die beiden vorher heimlich Liebesbriefe über ein Astloch ausgetauscht hatten. Das Beispiel machte Schule. Unzählige Liebesgeschichten ranken sich um den mächtigen Baum zwischen Plön und Preetz, der seit 1927 - weltweit einmalig – über eine eigene Postanschrift verfügt: „Bräutigamseiche, Dodauer Forst, 23701 Eutin“ lautet korrekt die Adresse der Sehnsucht. Bis zu 40 Briefe täglich deponiert der Postbote von Montag bis Sonnabend zwischen 12 und 15 Uhr in dem Astloch am Ende einer drei Meter langen Leiter. Das Briefgeheimnis gilt hier natürlich nicht. Jeder darf die Briefe studieren, mitnehmen oder wieder zurückstecken. Auch der Postmann selber fand hier in den 90er Jahren sein Glück und ist seitdem mit einer Saarländerin verheiratet. Die Schreiben kommen aus aller Welt – aus Afrika, China, Russland, Skandinavien und Südamerika sind Briefe dabei von Menschen, die in dem Wald ihr Herzblatt suchen. Denn diese Institution ist so speziell, dass schon das Radio der Mongolei sowie das italienische und japanische Fernsehen darüber berichteten. Die knorrige Partnerbörse hat inzwischen beachtliche Ausmaße genommen. Ihr Umfang beträgt fünf und die Höhe 25 Meter. Der Baum ist laut einer Untersuchung kerngesund. Das Postamt ist zuversichtlich, dass die Eiche noch vielen Generationen als Liebesbriefkasten dienen wird. Jutta Ehmsen

Bild: Der Liebesbriefkasten befindet sich im Astloch auf drei Meter Höhe.

Bild: Witwer Hans-Werner Kube – hier mit Drahthaarfoxterrier Bely – hat dank der Eiche eine Liebste in Kiel gefunden.

Bild: Wegweiser führen zum 500 Jahre alten Baum im Dodauer Forst.

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