Daumen raus am Westring

Daumen hoch für Kiel: Das Mitfahren ist sicherer geworden und offiziell erlaubt. Tatsächlich hat die Stadt im Juni Deutschlands erste Tramphaltestelle am Westring kurz vor der A7-Aufffahrt errichtet. Sehr zur Freude einiger Studenten, die sich dafür eingesetzt hatte. Denn: „Wer mitfährt, produziert keine Schadstoffe“, war eines ihrer Argumente. „Hamburg“ und „Berlin“ steht auf den Schildern, die vor allem freitags an dem neuen Halteplatz vor der Kreuzung Westring / Schützenwall hochgehalten werden. Doch der Andrang ist nicht groß. Vorbei die Easy-Rider-Zeiten, als die Eltern, ja fast Großeltern, in den 70er Jahren noch mit Stirnband durch Europa bummelten. Zu stark dämpfen straffe Studiengänge und ein schwieriger Arbeitsmarkt das Fernweh der jungen Leute. Nur jeder zehnte Befragte in der Unimensa hat Erfahrungen als Anhalter. „Man kommt auch schlecht weg“, hat die 21-jährige Jasmin Knoop beobachtet und erzählt mit leuchtenden Augen von ihrem Auslandsjahr in Israel, wo das Trampen ganz einfach gewesen sei. Wer mit wenig Geld von A nach B möchte, hat gleich mehrere Möglichkeiten. Schon ab 17 Euro bieten neue Schnellbuslinien und auch die Mitfahrzentrale www.blablacar.de eine Fahrt von Kiel nach Berlin an. Schon ab 28 Euro kann man auf der Plattform www.drivy.de ein Privatauto aus der Nachbarschaft für einen Tag anmieten. Auch das Bahn-Trampen auf Wochenend-Tickets, die für mehrere Personen gelten, wird gerne gemacht. Doch einige machen´s weiter auf die einfache Tour: Rucksack auf und Daumen raus. Denn das verspricht einen Hauch von Abenteuer – und kost nix. Über 300 Anhänger dieser Reisemethode verfolgen die Facebook-Seite „KIELtrampt“, die im Frühjahr ein „Tramper-Rennen“ von Kiel nach Gibraltar mit etwa einem Dutzend Teilnehmern dokumentierte. Zu gefährlich? Eines steht fest. Auch sicheres und richtiges Trampen will gelernt sein. Immer zu zweit reisen und Nummern notieren, rät die Kieler Polizeidirektion. Einen Verhaltens-Knigge mit zehn Geboten finden Anfänger auch auf der Internet-Plattform www.anhalterfreunde.de , die sich zum Ziel setzt, „das sympathischte Fortbewegungsmittel vor dem Aussterben zu bewahren.“ Jutta Ehmsen

Bild: Am Kieler Westring: Etienne Souchon (27) und Pierre Jaulin (27) aus Toulouse trampen seit einem halben Jahr durch Europa. Foto Janne Voigt

Bild: Per Anhalter durch Israel: Geographie-Studentin Jasmin Knoop hat gute Erfahrungen im Ausland gemacht. Foto Ehmsen

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