Cowboys an der Ostsee

Ein Hauch von Texas? Im Schleswig-Holstein verbreitet sich ein Sport, der zunächst Erinnerungen an alte Filme mit John Wayne oder Lex Barker erwecken mag: Das Westernreiten. Was ist das Besondere an dieser Reitweise, die ursprünglich aus Nordamerika kommt, wo sie sich beim Herdentrieb auf den Rinderfarmen etablierte? „Mich reizt die Vielfalt“, erklärt Hauke Themer, der auf Loubega schon dreimal Landesmeister wurde. Doch mit Cowboy-Livestyle habe das nichts zu tun, betont er. Das würde oft verwechselt. Hauptsächlich werden Pferde der Rassen Quarter Horses, Paint Horses und Appaloosas als typische und ursprüngliche Westernpferde geritten. Über die Jahre entwickelte sich eine eigenständige Reitweise mit einer Vielzahl von unterschiedlichen Disziplinen. Es kann jedes Pferd in der Westernreitweise ausgebildet werden. Besonders spektakulär ist die Disziplin „Reining“, bei der die Pferde aus hoher Geschwindigkeit einen Vollstopp ausführen und dabei einige Meter auf ihren Hinterbeinen rutschen. Dieses Manöver wird als Sliding Stopp bezeichnet und findet besonders unter den Zuschauern große Bewunderung und Anklang. Auch muss das Pferd in dieser Disziplin den „Spin“ beherrschen: Hierbei dreht sich das Pferd in hoher Geschwindigkeit um die eigene Achse. Auch werden die aus dem Springsport bekannten, bunten Holzstangen bei den Westernreitern genutzt: Bei der Disziplin „Trail“. Dabei wird ein Hindernisparcours aufgebaut, wobei über die Stangen, je nach Leistungsgrad, im Schritt, Trab oder Galopp geritten wird. Zudem findet man auch immer ein Tor, welches einhändig durch den Reiter geöffnet wird und bestmöglich nur eine so kleine Lücke gelassen wird, dass Pferd und Reiter durch passen. Dieses Hindernis entstammt noch der vergangenen Rancharbeit mit Rindern. Das Tor darf nur so weit geöffnet werden, dass das Pferd passieren kann, ohne dass dem Cowboy die Rinder entwischen. Besonders spannend ist es, wenn dabei noch ein Hund das Pferd-Reiter-Gespann begleitet. Dabei handelt es sich sogar um eine Turnierdisziplin: Den „Horse-And-Dog-Trail“. Der Hund begleitet das Team aktiv durch den Parcours und muss alleine oder mit Pferd und Reiter die Hindernisse bewältigen. Eine Prüfung, die an die Arbeit auf der Ranch erinnert und Manöver aus der Rinderarbeit fordert, ist das „Ranch Riding“. Auch ein Lasso kommt zum Einsatz, und ab und zu laufen sogar ein paar Rinder im Parcours. Es gibt weitere Disziplinen, die hier genannt werden sollten: Bei der „Western Pleasure“ stehen die unsichtbaren Hilfen zwischen Reiter und Pferd im Vordergrund. Zudem gibt es auch Prüfungen für die ganz Kleinen: Den Führzügelwettbewerb, bei dem ein eigenständiges Reiten unter der Rücksicherung eines Führenden gezeigt wird. Hauke Themer ist schon früh zum Westernsport umgestiegen. „Ich fing an mit Dressur, bis ich mit elf Jahren durch eine Stute meiner Mutter das Westernreiten entdeckte.“ Gezieltes Training brachte ihn schnell auf Wettkampf-Niveau. „Mich faszinieren die Anforderungen an Mensch und Pferd und das ständige Lernen“, erzählt der heute 25-jährige, der in Kiel studiert. Mit Erfolg. Seit 2003 ist er pausenlos auf Turnieren unterwegs, seit 2007 mit seinem Erfolgspferd Loubega, seit 2010 im Landeskader der Erwachsenen. Es folgten die Landesmeistertitel in 2012, 13 und 16. Dazu kamen bundesweite Top-Ten-Platzierungen sowie Manschaftsbronze in 2012. Viel bedeutet ihm auch der Titel des EWU Champion 2014 in der Western Horsemanship. Auf den Geschmack gekommen? In Norddeutschland gibt es viele Möglichkeiten, Westernreiter live zu sehen. Die „Erste Westernreiter Union Hamburg / Schleswig-Holstein“ richtet viele Turniere aus. Nähere Infos dazu unter: www.ewu-westernreiten.de. Wer selbst aufsteigen möchte, findet auf einigen Höfen Gelegenheit. Dazu gehören die Bright Lake Ranch (O. Bruhn) in Ahlefeld-Bistensee, MP Westerntraining Ton (M. Pommerenke) in Schenefeld, Westernreiterhof Wegekaten (C. Henseler) in Krems II, Green Lake Ranch (C. Lübke) in Pölitz, Westerntraining (H. Hommel) in Henstedt-Ulzburg und Westernreitzentrum (B. Kühl-Bohnee) in Hüttblek.

Bild: Der Kieler Hauke Themer ist erfolgreich im Westernsattel unterwegs.

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