Kiel kann Comic

Comics, zu Unrecht als leichte Kost verschrien, bilden eine eigene Kunstform. Und das nicht nur in Frankreich oder Japan, sondern auch bei uns im Norden, wo der Humor oft trockener ist als das Wetter. „Pure Fruit“, ein halbjährliches Magazin auf festem Papier, schließt die Genrelücke in Kiel. Wer sind die Macher dieser bunten Frucht, die fast ein wenig aus der Art geschlagen scheint? Franziska Ludwig blickt von ihrem Arbeitsplatz weit über die Felder von Knoop. Die Zeichnung vor ihr soll erklären, wie man ein Kajak ohne Auto zum Ufer schleppen kann. Ein „Lifehack“ in Comicform – zu Deutsch: ein Trick, wie man den Alltag vereinfachen kann. Es ist ihr Beitrag für das neue Heft, das dieser Tage 10.000fach erscheint, um in Kieler Kneipen und Kinos kostenlos auszuliegen. 23 Zeichner, darunter ein Schweizer und drei Amerikaner, haben sich diesmal kleine Geschichten zum Thema „Lifehack“ einfallen lassen. Einzige Vorgabe: Alle mussten in ihren Bildern die Farbe Cyan (blau) einsetzen. Ein Comic für Kiel? „Wir fanden, in einer Universitätsstadt müsste noch viel mehr im Kunstbereich laufen“, erinnert sich Ludwig an die Anfänge des Magazins vor sieben Jahren. Damals setzten sich mehrere Illustratoren und Künstler an einen Tisch, um etwas Gemeinsames auf die Beine zu stellen. Drei von ihnen kannten sich schon von der Muthesiusschule. „Wir waren alle von Comics begeistert“, sagt die 40jährige. So beschlossen die Kreativen, neben ihrem Broterwerb – zumeist Auftragsarbeiten – in ihrer Freizeit ihr eigenes Ding zu machen: „Pure Fruit“. Jedes Heft stand fortan unter einem anderen Thema: In dem Comic „Jahreszeiten“ widmeten sich Gregor Hinz, Volker Sponholz, Tim Eckhorst und Franziska Ludwig jeweils auf zwölf Seiten einer dieser vier Saisons. Auf ganz andere Weise entstand das „Kochheft“, in dem 24 Gastzeichner ihre Geschichte zu einem Rezept zu erzählen. Weitere Themen waren „Musik“ und „Der Sinn des Lebens“. Zukunftsvisionen geistern durch die Ausgabe „Pure Future“, während ein weiteres Heft den Begriff der „Nachhaltigkeit“ von allen Seiten beleuchtet und dann humoristisch auf die Schippe nimmt. Während sich das Magazin zumeist durch Anzeigen trägt, wurde die letzte Ausgabe, in der es um Auswanderung geht, komplett vom Flüchtlingsrat des Landes finanziert. Dieser Tage erscheint die 13. Ausgabe, erstmals im Jaja Verlag (Berlin). Die erste Chance aufs neue Werk gibt es auf der Releaseparty, die das Comic-Kollektiv am Freitag, 12. Mai, ab 20 Uhr im Café Anschlag, Niebuhrstraße 1, veranstaltet. Neben gratis Comic und Würsten locken Performances und Diskomusik. Und natürlich Lifehacks – gute Tipps zum Nachmachen.

Bild: Arbeitet im Comic-Kollektiv: Franziska Ludwig.

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