Ein Hexenstein für Schmoel

Die Zeit der Hexen scheint eher im Märchen und im tiefen Mittelalter angesiedelt als in früher Neuzeit und direkt vor unserer Haustür. Irrtum. 340 Verbrennungen sind für den Raum Schleswig-Holstein dokumentiert, die erste um 1530 in Kiel. Zahllose heilkundige Frauen und Abtreibungshelferinnen wurden zudem aus ihren Dörfern verbannt. Auch die „Wasserprobe“ war Usus, bei der Unschuldige ertränkt wurden. Ein Gedenkplatz an der Bundesstraße 502 hinter Schönberg erinnert heute an die Opfer von Gut Schmoel. Das idyllische Plätzchen an der Ostsee zwischen Kieler Förde und Hohwachter Bucht war vor 350 Jahren Tatort eines furchtbaren Geschehens. Zwei Frauen waren in Streit geraten über den Tod eines Mannes. Mette Schlan aus Todendorf wurde des Schadenzaubers bezichtigt, unter Folter belastete sie weitere Personen. 1666 und 1668 kam es unter dem damaligen Gutsherrn Christoph von Rantzau zum Prozess mit qualvollen Verhören und zügigem Urteil: 18 Frauen und Männer wurden wegen Hexerei erdrosselt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Ein Pastor erwirkte eine Anklage des Grafen wegen Selbstherrlichkeit, der sich dieser durch Flucht entzog. Es ist ein dunkles Kapitel für das Gut Schmoel, mit dem sich der Historiker Manfred Jacobsen 1996 ausgiebig in einem Buch befasste. Zurück bleibt ein Trauma, das – durch Generationen weitergereicht – in der Erinnerung der Menschen weiterwirkt. Bildhauer Jan Koberstein aus Giekau hat in der eigenen Familiengeschichte auch Spuren dieses Alptraums entdeckt. Mit einem Steingewölbe aus selbstgebrannten Ziegeln will er nun einen versöhnenden Ort jenseits von Schuld und Verurteilung erschaffen. Er hält ein Denkmal für möglich, das „sowohl Opfer als auch Täter erlöst“. Viele befürworten sein Vorhaben, die Gemeinde Schwartbuck hat extra ein Stückchen Land erworben und zur Verfügung gestellt. Zum Gedenken an die Zeit der Frauenverfolgungen haben Jan Koberstein und seine Helfer einen drei Meter hohen „Hexenstein“ aus Tonziegeln aufgetürmt, der einem Ofen ähnelt. Sorgfältige Vorarbeiten waren erforderlich: „Jeder Stein steht für einen Menschen, Gedanken oder Gefühl“, sagt Koberstein. Der Brand des Gewölbes ist für den 21. bis 25. Juni geplant. Fünf Tage lang soll das reinigende Ritual dauern, das Brennholz liegt bereit. Für die Zeit der Brandnächte und -tage ist ein Miteinander vor Ort geplant – bei Tanz und Musik. Alles Weitere unter: www.hexenstein-schmoel.de . Jutta Ehmsen

Bild: Jan Koberstein demonstriert die Feuerreinigung an einem Modell.

Bild: Das Gewölbe aus frischen Tonziegeln soll durch Feuer erhärten.

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