Anwalt f√ľr Nutztiere

Es ist ein unangenehmes Thema, vor dem man gerne die Augen verschlie√üt. Zahllose Mastrinder, Schweine und Gefl√ľgel vegetieren in viel zu engen St√§llen, nur um unseren Fleischbedarf zu decken. Eine industrielle Nahrungskette, die schon rein rechnerisch irgendwann an ihre Grenzen st√∂√üt. Einigen Menschen ist bereits der Appetit vergangen, sie leben lieber vegan. Andere achten bewusst auf die Qualit√§t des Fleisches, das in ihren Einkaufskorb gelangt. Doch wie kann der Supermarkt-Kunde die Herkunft seines Steaks orten, wenn die Verpackung wenig dar√ľber verr√§t? Die Haltungskennzeichnung bei Fleisch- und Milchprodukten ist bislang nicht geregelt. Das soll sich √§ndern, fordert Deutschlands √§ltester Tierschutzfachverband PROVIEH, der ein Konzept dazu erarbeitet hat und mit Hilfe der Gr√ľnen in den Bundestag einzubringen will. Seit 1973 k√§mpft der Verein mit Sitz in Kiel f√ľr die W√ľrde und Rechte einer Klientel, die sonst keine Lobby hat: die Nutztiere. Gegr√ľndet wurde PROVIEH von zwei Schwestern aus Heikendorf, die einst das Schicksal jener K√§lbern aufr√ľttelte, die sie in dunklen, isolierten Einzelboxen vorfanden. Inzwischen haben sich √ľber 6000 Mitstreiter und zehn Regionalgruppen organisiert, zehn Angestellte k√ľmmern sich hauptamtlich um die Belange: ‚ÄěWir kl√§ren die √Ėffentlichkeit dar√ľber auf, was in der Landwirtschaft passiert‚Äú, bringt die Fachreferentin f√ľr Rinder und Gefl√ľgel, Stefanie P√∂pken, die Grundidee auf den Punkt. Dabei helfen Infotische und Vortr√§ge ebenso wie die Teilnahme an Veranstaltungen ‚Äď zum Beispiel beim ‚ÄěTag des Huhns‚Äú in G√∂ttingen oder dem Tollwood-Festival in M√ľnchen. Die Aufkl√§rung soll schon im Kindesalter beginnen. Deshalb brachte die Organisation 2016 ein 50-seitiges Schulheft √ľber Biene, Milchkuh und Co. heraus, das schon nach kurzer Zeit nachgedruckt werden musste. Zudem erscheint viertelj√§hrlich ein informatives Magazin in einer Auflage von 11.000. Beharrlich mischen sich die Tiersch√ľtzer aus der K√ľterstra√üe ein, wo immer es m√∂glich ist ‚Äď ob an Runden Tischen oder in regionalen AGs. Besonders Augenmerk wird auch auf die K√§fighaltung von Kaninchen gelegt. Provieh-Referentin Kathrin Kofent brachte dieses Thema im Juni im Europ√§ischen Parlament in Br√ľssel zur Sprache. Dabei mahnte sie die ‚Äěteilweise katastrophalen‚Äú Haltungsbedingungen der 325 Millionen Tiere in europ√§ischen Mast- und Zuchtanlagen an. Gr√∂√üter Erfolg von PROVIEH ist bisher das Verbot von Legehennen-K√§figen, das der Verband als Teil eines B√ľndnisses mit der Albert-Schweitzer-Stiftung ma√ügeblich vorantrieb. Ein Nummernstempel auf der Schale l√§sst seit einigen Jahren R√ľckschluss auf die Herkunft der Eier zu. Sofern die Kodierung mit der Ziffer 0 beginnt, wei√ü der Kunde, dass sein Ei aus √∂kologischer Erzeugung stammt. Und tats√§chlich, die K√§fighaltung scheint weitgehend √ľberwunden: Der gesamte Lebensmitteleinzelhandel verzichtet heute auf das ‚ÄěEi mit der 3‚Äú. PROVIEH fordert, dass das Kennzeichnungssystem von 0 bis 3 nun auch auf Fleisch und Milch gesetzlich ausgeweitet wird. Jutta Ehmsen

Bild: Zum Wohl der Nutztiere: Stefanie Pöpken, Kathrin Kofent, Christina Petersen und Sandra Lemmerz arbeiten gemeinsam bei PROVIEH.

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